OÖN vom 13.12.1999
PETER AFFENZELLER

Linzer Fahrradbote startet Trip in den Himalaya





LINZ. "Ich will sehen, ob ich das aus eigener Kraft schaffe", sagt der Linzer Fahrradbote 
Wolfgang Kramplhuber (29): Er bricht am 1. Jänner 2000 mit dem Rad auf, um im Himalaya einen 7000er zu "besteigen".


Der Velo-Team-Fahrer ist ein leidenschaftlicher Bergsteiger, den Job als Bote nutzt er zugleich als willkommenes Ausdauertraining. Marathon ist er auch schon gelaufen, seine Bestzeit liegt bei 3 Stunden 13 Minuten. Kramplhuber hat sich schon dran gewöhnt, dass ihn die Leute ein wenig komisch anschauen, sobald er von seinem Projekt erzählt -aber das stört ihn nicht.

"Billig zu einem 7000er zu kommen, ist sicher auch ein Grund", räumt er ein: Die Teilnahme an einer herkömmlichen Expedition könnte er sich nicht leisten, aber die 60.000 Schilling für Ausrüstung und rund 30.000 für Proviant und Visa während der Fahrt gehen sich aus. In Tagesetappen von rund 100 Kilometern will sich Kramplhuber über Ungarn, Rumänien, die Türkei und den Iran nach Pakistan durchschlagen, von dort über den Norden Indiens nach Nepal. "Der Himalaya ist für jeden Bergsteiger sowas wie die Tour de France für Radrennfahrer - einmal dort dabeisein wäre das Größte", freut sich der 29-jährige schon. Probleme in den Krisengebieten entlang seiner Route befürchtet er nicht: "Als Radlfahrer hat man überall einen Sympathiebonus, und selbst der dümmste Bandit müsste sehen, dass bei mir sowieso nichts  zu holen ist", lacht er: Mit seiner Bergsteigerausrüstung und der Trockennahrung für die Hochlager könne niemand ausser eben einem Himalaya-Bergsteiger etwas anfangen.

Als Transportmittel hat sich Kramplhuber einen Anhänger geschweisst. Mit Rucksack, Zelt, Proviant und einem kleinen Vorrat an Ersatzteilen rechnet Kramplhuber mit rund 100 Kilo, die das Ding beladen auf die Waage bringen sollte. Der Alleingang im Himalaya macht dem erfahrenen Solo-Bergsteiger keine Sorgen: Er hat die Ausrüstung schon wochenlang getestet.

Alleingänge über Gletscher und in großer Höhe ist er gewohnt, und auch das Timing sollte stimmen. Kramplhuber rechnet damit, etwa Anfang Mai in Nepal einzutreffen - die beste Zeit für Expeditionen. Weil er keine Gipfel-Lizenz hat, muss er sich vor Kontrollen drücken und beim Berg möglichst in einer größeren Expedition "untertauchen". Welcher Gipfel es genau werden soll, weiss Kramplhuber noch nicht genau - zwei "Kandidaten" hat er schon näher studiert.

Für die Rückfahrt plant der sportliche Radlbote noch eine Besonderheit: Er will nicht etwa dieselbe Route benutzen, sondern über China, Russland, Finnland und Schweden in einer riesigen Schleife zurück nach Europa kommen. "Insgesamt müsste das in 12, 13 Monaten zu schaffen sein", hofft er. Ruhetage will er sich natürlich schon gönnen, jede Woche einen ' nach rund 600 gefahrenen Kilometern "zum Regenerieren".