OÖN vom 30.5.1997
CHRISTOPH ZÖPFL

Dauerlauf im Ruhestand - Die Berufung als Beruf




Jung ohne Kohservierungtmittel: FritzProtiwenski(51) Foto:OÖN


LINZ. Was Fritz Protiwenski einen "Golden Handshake" (Goldener Handschlag) nennt, würden die meisten eher als festen Fußtritt werten. Der heute 51jährige Akademiker verlor aber nicht den Boden unter den Füßen, als er 1994 als Abteilungsleiter nach einer betrieblichen Umstrukturierung plötzlich keinen Schreibtisch mehr brauchte. Ohne berufliche Verpflichtungen konnte er sich nun recht professionell, einer späten Berufung widmen. Protiwenski hatte als 38jähriger das angefangen, was viele mit 38 längst aufgehört haben - der Linzer begann im Laufsport Fuß zu fassen und kam dabei im Ausdauerbereich immer besser auf Touren. Inzwischen ist der Marathon-Mann ohne Leerlauf in der Triathlon- und Duathlon-Szene eine große Nummer.

"Durch meine berufliche, Entwicklung kann ich es mir leisten, mich voll auf meinen Sport zu konzentrieren", hat der Betriebswirt im Ruhestand nicht nur starke Muskeln, sondern auch mentale Kraft durch positives Denken. Seinen neuen Job als Radler beim Linzer Velo-Botendienst empfindet er nicht als Knechtschaft, sondern als optimales Training mit angenehmer finanzieller Nebenerscheinung.

Die sportlichen Aktivitäten Protiwenskis werden auch von "Nebenerscheinungen" begleitet. Statt Kleingeld gibt es große Pokale. Zuletzt wurde er bei der Duathlon-EM in Polen Senioren-Europameister, am Wochenende ist er bei der Langstrecken-WM in Zofingen (Schweiz) Medaillenkandidat.

An die ewige Jugend glaubt Protiwenski genausowenig. wie an die chemische Schubkraft aus dem Medizinschrank. "lch möchte nach einem Bewerb nicht einem Arzt für meine Leistung danken müssen." Er ist sich selbst der beste Fitneßberater. "Ich horch auf meinen Körper", sagt Protiwenski, und folgt sogar dann, wenn sein "Body" einmal eine Halbe Bier und ein Schweinsschnitzel verlangt.