Neues Volksblatt vom 16.7.97
JUDITH MOSER

Die letzten Stadtindianer - Radeln wie der Blitz





LINZ - Ihnen ist egal, ob die Sonne scheint oder ob es in Strömen regnet. Selbst Minustemperaturen lassen sie kalt - die Fahrradkuriere, die quer durch die Stadt düsen, um so schnell wie möglich ihre Aufträge zu erledigen. Daß es dabei zu Reibereien mit Autofahrern kommt, ist vorprogrammiert.

Begonnen hat alles 1993. Im Rahmen eines Sozialprojekts für WiedereinsteigerInnen bekam Eugen J. Illenberger einen Job als Fahrradkurier. Als das Projekt auslief, gründete er seine eigene Firma.

Heute beschäftigt er 25 Kuriere, die den Job nebenberuflich ausführen. Typische Angestellte sind Studenten, die Freude am Radfahren und Geldverdienen verbinden. "60 % der Fahrer sind Radrennfahrer, die den Job als Training sehen," so Illenberger zum VOLKSBLATT.

Stefan Schobesberger etwa fährt seit Oktober 1996 für Velo. Er wollte Geld verdienen, ist schon immer radbegeistert gewesen und hat durch den Job Kondition für seinen Urlaub getankt. Er ist nämlich quer durch Nepal geradelt. Stefan ist derzeit nicht im Einsatz, weil sein rechter Arm eingegipst ist. Er hatte den ersten ernsten Dienstunfall. Üblicherweise fährt man die gleiche Route durch die Stadt und weiß mit der Zeit, wo die Schlaglöcher sind, aber einmal hab ich eine andere Straße benutzt.

Stefan hat eine Schwelle übersehen und einen Salto gemacht. Er konnte nicht glauben, daß er sich was gebrochen hat, "weil mir noch nie etwas passiert ist" (Salti sind an der Tagesordnung), und ist den Rest des Tages weitergefahren. Acht von zehn Unfällen werden von Autofahrern verursacht, aber dafür machen die Boten die Verkehrspolitik verantwortlich.